Defizite zwingen zu Veränderungen
Leipzig ist eine Kulturstadt. Doch die großen Häuser, wie Gewandhaus, Schauspiel, Oper oder TdJW kalkulieren allein in diesem Jahr mit einem Defizit von rund 6,5 Mio. Euro. Um Gehälter zahlen zu können, müssen ab 2028 teilweise Kassenkredite, vergleichbar mit einem privaten Dispo, aufgenommen werden. Die Stadt selbst kann den Einrichtungen kaum mehr Geld zukommen lassen. Denn auch hier fehlen 2025/26 rund 500 Mio. Euro im Haushalt. Die Kultur steht also am finanziellen Scheideweg.
Über Jahre hat sich eine linke Ratsmehrheit, flankiert vom Oberbürgermeister, gegen jeden Ansatz der Reform und der kritischen Betrachtung der Kultureigenbetriebe gewehrt. Leipzig lebt hier schon lang über seine Verhältnisse, auch weil die Auslastung in einigen Sparten viel zu gering ist. Die Möglichkeit, insbesondere die Häuser am Augustusplatz enger zu verzahnen wurde als sakrosankt abgelehnt. Das baldige Defizit von 25 Millionen pro Jahr ist nur noch über eine deutliche höhere Schuldenlast der Allgemeinheit zu finanzieren. Die freie Kulturszene hingegen erweist sich als flexibler und resilienter angesichts knapper Kassen. Das müssen wir auch von den großen Häusern erwarten.
Wenn wir jetzt nicht über ernsthafte Veränderungen diskutieren und auch zu diesen kommen, läuft es zwangsläufig auf eine Spartenschließung hinaus.